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Werkstatt, Technik

Ritzelkassette

Heutige Ritzelkassetten haben eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich. Bei den ersten Ritzelkassetten waren die einzelnen Ritzel mit einer Längsnut versehen, die die Kette mit ihrer geschärften Kante zum nächst grösseren Ritzel hob. Dieses Prinzip hat sich aber nicht so bewährt, da die Kette oft nicht auf dem grösseren Ritzel einhängte sondern zwischen zwei Ritzeln durchrutschte.
Von 1978 bis ca. 1990 wurde von Shimano dann das Uniglide-System hergestellt. Dieses System verwendete spezielle Zahnformen, welche seitlich angeschliffen und gedreht wurden und so die Kletterleistung der Kette stark verbesserten.
Um 1980 wurde, ebenfalls von Shimano, die Haifischzahnform auf den Markt gebracht. Diese Form zeichnete sich dadurch aus, dass ein deutlich grösserer Freiraum zwischen den Zähnen geschaffen wurde. Daraus ergab sich die Form eines abgerundeten Dreiecks, welches der Form einer Haifischflosse ähnlich sah. Der grössere Freiraum zwischen den Zähnen ermöglichte der Kette, besser auf dem nächsthöheren Ritzel einfädeln zu können.



Heute wird von Shimano nur noch die 1998 eingeführte Hyperglide Ritzelkassette (oben abgebildet) verkauft. Dieses System erlaubt, durch speziell geschliffene Zähne und eingefräste Steighilfen, erstmals auch das Schalten unter Last.


Folgende vier Massnahmen führten zu präziseren Schaltvorgängen:
  • Einfräsungen (Steighilfen) ab der Ritzelseite, im Bild rechts sieht man, wie sich die Kette perfekt in die Steighilfe einpasst.
  • niedrigere Zahnhöhe
    (von 6 mm auf ca. 4.2 mm)
  • Spezielle Anordnung der Ritzel zueinander
  • Grösserer Freiraum zwischen den Zähnen, wannenförmige Zahnbetten
    (Bild rechts)

Diese Verbesserungen führten jedoch zwangsläufig zu erhöhtem Verschleiss der Ritzelkassetten. Vor allem die kurze Zahnhöhe und die wannenförmigen Zahnbetten lassen eine gelängte Kette schnell einmal durchrutschen. Aufgrund meiner Erfahrung rate ich die Kette mindestens alle 6000 km zu wechseln, dann hält eine Ritzelkassette zwei Ketten (12000 km) lang.

Aufbau einer 9-fach Ritzelkassette
Die ersten sieben Ritzel werden von Nietbolzen, welche mit dem grössten Ritzel verschraubt sind, zusammengehalten. Dazwischen liegen 2.56 mm dicke Distanzringe, die den notwendigen Zwischenraum für die 6.6 mm breite Kette schaffen.

Kauffertige Ritzelkassette


Die Ritzel werden in der Regel aus hochvergütetem Stahl gefertigt. Es gibt aber auch Ritzel aus gehärtetem Aluminium welche um etwa zwei drittel leichter sind als die Stahlausführung, aber deren Verschleiss ist wesentlich höher. Neu werden auch Titanritzelhergestellt. Sie sind ebenfalls leichter als Stahlritzel und die Verschleissfestigkeit liegt etwa zwischen der von Stahl und Aluminium.